Moderatoren des Bereichs: Prof. Dr. Rita Kielstein, Prof. Dr. Hans-Martin Sass

Wertanamnese „die kritische Selbstanalyse und Selbstbewertung für die eigene Selbstverständigung aktuell oder prospektiv bei Ziel- und Entscheidungskonflikten“ [Kielstein R, Sass HM: Die Wertanamnese: ein narrativer Ansatz zur Erstellung und Interpretation von Betreuungsverfügungen, Wiener Medizinische Wochenschrift 1997, 129].

Eine Wertanamnese kann zur Entscheidungs- und Selbstfindung beitragen, wenn die eigene Meinung zu einem Problemfeld noch nicht klar herausgebildet ist. Die Interpretation von vorsorglichen Verfügungen ist ein Versuch des Verstehens und der Interaktion, denn es gilt, eine patientenorientierte Entscheidung im Fall der Einwilligungsunfähigkeit zu treffen.

Die Methode der narrativen Wertanamnese verwendet Geschichten, um Krankheitsbilder, -situationen und Behandlungsalternativen darzustellen und Patienten zu einer Stellungnahme aufzufordern. Zusätzlich werden zusammenfassend Wertfragen für zentrale interventionsrelevante Konfliktsituationen gestellt.

An dieser Stelle finden Sie einige Fallgeschichten zur narrativen Wertanamnese nach Kielstein/Sass. Download [19 KB]

Die Arbeitsgruppe "Patientenautonomie am Lebensende" des Bundesministeriums der Justiz hat in ihrem Abschlussbericht vom 10.06.2004 dazu folgende Ausführungen gemacht:

d) Wertvorstellungen

Als Ergänzung und Interpretationshilfe einer Patientenverfügung kann es sinnvoll sein, wenn persönliche Wertvorstellungen, Einstellungen zum eigenen Leben und Sterben und religiöse Anschauungen schriftlich niedergelegt werden. Dies gilt besonders dann, wenn eine Patientenverfügung „in gesunden Tagen“ erstellt wird.

Die in einer Patientenverfügung festgelegten Wünsche im Hinblick auf das Ob und Wie medizinischer Maßnahmen in kritischen Krankheitssituationen beruhen meist auf persönlichen Wertvorstellungen, Lebenshaltungen, religiösen Anschauungen, Hoffnungen oder Ängsten. Um die Festlegungen in einer Patientenverfügung besser nachvollziehen zu können, kann es für das Behandlungsteam ebenso wie für Bevollmächtigte oder Betreuer hilfreich sein, den individuellen weltanschaulichen Rahmen des jeweils Betroffenen zu kennen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn es Auslegungsprobleme gibt oder wenn die konkrete Situation nicht genau derjenigen entspricht, die in der Patientenverfügung beschrieben wurde. Insofern kann die schriftliche Festlegung eigener Wertvorstellungen eine wichtige Ergänzung einer Patientenverfügung sein.

Folgende exemplarische Fragen sollen dazu anregen, über die eigenen Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen nachzudenken. Sie beziehen sich auf:

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Stand: 01.2017